
Wer erinnert sich im November noch an den Januar?
Sie kennen das vermutlich: Im Januar nimmt sich ein Team etwas vor, alle finden es gut, und im März redet niemand mehr davon. Nicht aus Nachlässigkeit – es ist einfach viel los, und ein Vorsatz, für den sich alle gemeinsam zuständig fühlen, gehört am Ende oft niemandem so richtig.
Deshalb schlage ich Ihnen für 2027 die Werte-Patenschaft vor. Der Team-Kalender gibt Ihnen ohnehin schon zwölf Themen vor, Sie müssen also keinen Werte-Workshop vorschalten und nichts erst mühsam auswählen. Es geht nur darum, wer sich um welches Thema kümmert.
Ziel:
Alle im Team beteiligen und sich gegenseitig das ganze Jahr über an die Team-Werte sachte erinnern.
Was eine Patenschaft ist
Eine Person aus dem Team übernimmt für einen Monat die Patenschaft für das Thema dieses Monats. Sie gibt diesem Thema eine Stimme: Sie erinnert im Alltag daran, sie spricht es an, wenn gerade etwas ganz anders läuft, und sie geht selbst mit gutem Beispiel voran.
Was eine Patenschaft ausdrücklich nicht ist: eine Kontrollfunktion. Die Patin oder der Pate bewertet niemanden, führt keine Liste und muss am Monatsende nichts nachweisen. Ich habe erlebt, wie schnell aus einer schönen Idee eine lästige Zusatzaufgabe wird, sobald eine Berichtspflicht daranhängt. Genau das soll hier nicht passieren.
Wie Sie die Patenschaften verteilen
Nehmen Sie sich dafür zehn Minuten in einem Ihrer Team-Meetings, am besten schon im Dezember 2026 oder Anfang Januar. Danach steht das Jahr, und Sie müssen nie wieder darüber verhandeln. Das halte ich für den entscheidenden Punkt: Was jeden Monat neu ausgehandelt werden muss, wird irgendwann im Frühjahr stillschweigend fallengelassen.
Meine Empfehlung: Fragen Sie, wer sich für welches Thema erwärmen kann, statt der Reihe nach zuzuteilen. Freiwilligkeit macht hier den ganzen Unterschied – wer sich das Thema „Zuhören" selbst ausgesucht hat, geht damit anders um als jemand, der es zugewiesen bekam. Was übrig bleibt, verteilen Sie danach gemeinsam.
Tragen Sie das Ergebnis gleich in die Jahresübersicht ein und hängen Sie das Blatt im Teamraum auf. Dann weiß im September jede und jeder, wer den Oktober übernimmt – und alle sehen das ganze Jahr über, dass sie selbst irgendwann an der Reihe sind.
Die zwölf Urkunden können Sie im Januar ebenfalls schon ausfüllen und unterschreiben. Überreicht wird jede aber erst zu Beginn ihres Monats, damit sich der schöne Moment übers Jahr verteilt.
Und falls jemand ausfällt oder das Team verlässt: Tauschen Sie einfach die Monate und tragen Sie es in der Übersicht nach. Ich habe erlebt, wie schnell ein Jahresplan beim ersten Krankheitsfall beerdigt wird, wenn diese Regel fehlt.
Was in dem Monat konkret zu tun ist
Am Anfang des Monats: Die Patin oder der Pate stellt das Thema im ersten Team-Meeting kurz vor. Ein, zwei Sätze reichen: was der Begriff für sie oder ihn persönlich bedeutet und warum das im Team gerade wichtig sein könnte.
Im Laufe des Monats: Erinnern, wenn es passt. Bei einem engen Termin an „Gelassenheit", bei einer schnellen Entscheidung an „Transparenz", bei einer Krankmeldung an „Unterstützung". Freundlich und im Vorbeigehen, so wie man Kolleginnen und Kollegen eben anspricht.
Einmal im Monat: Eine der drei Meeting-Ideen aus diesem Kurs auswählen und im Team-Meeting anleiten. Die Vorbereitung dafür ist gering, die Seite ist ja schon fertig ausgearbeitet.
Am Monatsende: Ein kurzer Rückblick von zwei Minuten. „Was ist mir in diesem Monat zum Thema Harmonie aufgefallen?" Danach übergibt sie oder er an die nächste Patin, an den nächsten Paten – gern mit der Urkunde in der Hand, das macht den Wechsel sichtbar.
Wenn Ihr Team größer oder kleiner ist als zwölf
Zwölf Monate und zwölf Menschen – das geht selten glatt auf. In einem Team mit fünf Personen kommt jede und jeder zwei- bis dreimal dran, was ich sogar schön finde, weil sich beim zweiten Mal eine ganz andere Sicherheit einstellt. In einem Team mit zwanzig Personen kommt umgekehrt nicht jede und jeder im selben Jahr an die Reihe.
Sagen Sie das offen, dann entsteht daraus auch kein Kränkungspotenzial. Und Sie können Patenschaften ohne Weiteres zu zweit vergeben: Zwei Menschen, die sich das Thema teilen, erinnern sich gegenseitig – gerade bei Themen, die einem eher schwerfallen, ist das eine gute Lösung.
Warum ich das für die psychische Gesundheit im Team für wertvoll halte
Psychisch gesund bleibt ein Team meiner Erfahrung nach vor allem dann, wenn seine Mitglieder das Miteinander als etwas erleben, das sie selbst beeinflussen können. Eine Patenschaft macht genau das erfahrbar. Sie verteilt die Verantwortung für ein gutes Klima weg von der Führungskraft allein und hinein ins Team, und sie gibt jeder Patin und jedem Paten für vier Wochen eine kleine, überschaubare Rolle mit sichtbarer Wirkung.
Dazu kommt etwas, das man leicht unterschätzt: Wer selbst für „Wertschätzung" zuständig war, achtet danach das ganze Jahr über anders darauf. Das bleibt – und genau das wollen wir ja.
Zum Ausdrucken:

- Anleitung „Werte-Patenschaften" (pdf) – der Ablauf auf einer Seite, für Sie als Führungskraft oder für die Person, die den Kurs im Team betreut.

- Unser Patenschafts-Jahr 2027 (pdf) – die Jahresübersicht zum Ausfüllen und Aufhängen: zwölf Monate, zwölf Themen, zwölf Namen.

- Patenschafts-Urkunden (pdf) – zwölf Blätter, für jedes Monatsthema eines, plus ein Blanko-Blatt. Zum Ausfüllen, Unterschreiben und Aufhängen.

Von Herzen alles Gute für Ihr Patenschafts-Jahr!
Ihre Anne Katrin Matyssek
